Herbert Könemann war der Jugendwart des Vereins, als ich als Jugendlicher mit dem Schachspielen beim SK Halle begonnen hatte. Er widmete dem Verein und dem Jugendschach sehr viel seiner Kraft und war fast jedes Wochenende mit Kindern in OWL zu Jugendturnieren in seinem dunkelroten Golf III unterwegs. Dieser war behindertengerecht umgerüstet, da Herbert durch eine Kriegsverwundung gehbehindert war. Ich saß oft bei ihm im Auto und fuhr nach Kalletal oder nach Porta Westfalica zu einem U13 oder U15 Spiel. Derjenige, der vorne sitzen durfte, musste ihn im Gegenzug dafür aber rechtzeitig auf die „Eulen am Wegesrand“ hinweisen, die teure Fotos schossen, denn Herbert war meist recht rasant unterwegs. Eine unschöne Seite an ihm waren gelegentlich ausländerfeindliche Sprüche, die vermutlich auf die nationalsozialistische Indoktrination in seiner Jugend zurückzuführen waren. Damals hat mich das gelegentlich irritiert, heute kann ich das besser einordnen. Es wirkte sich, soweit ich mich erinnere, aber nicht auf sein Handeln als Jugendschachbetreuer aus. Jedenfalls hatten wir in den 90ern viele Kinder aus dem zerfallenen Jugoslawien im Haller Jugendschach, um deren Integration und Wohlergehen er sich genau wie um alle anderen sehr bemüht hat.
Während ich 2004 meinen Zivildienst im Altenzentrum Eggeblick ableistete, bezog auch Herbert dort ein Zimmer. Er war aufgrund seiner Krebserkrankung stark abgemagert und man sah ihm an, dass er an der letzten Station seines Lebens angekommen war. Er freute sich ungemein, wenn ich ihm während meiner Pausen mit einem Brett etwas Gesellschaft leistete. Ruhe in Frieden Herbert, Danke für alles!
