SK Halle 1946 eV
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SK Halle 1946 eV
Konferenzraum der Gesamtschule Halle, Masch 2
Wasserwerkstr. 1, 33790 Halle/Westf.
Deutsche Frauen-Mannschaftsmeisterschaft der Landesverbände 2026
Es ist mittlerweile für uns schon eine willkommene Tradition geworden, das Wochenende über Fronleichnam in Braunfels zu verbringen und Lily und das NRW-Team dabei bei dem Kampf um die Goldmedaille zu unterstützen. Diese Saison durfte sie sogar neben ihrer Trainerin WGM Carmen Voicu-Jagodzinsky an Brett 2 platznehmen. Alle anderen Spielerinnen durften wir erstmalig kennenlernen, denn die NRW-Mannschaft setzte sich komplett neu zusammen im Vergleich zu den Vorjahren. Dies hatte verschiedene Gründe: Die Jugend-WM startet bald, in NRW wurde das Qualifikationsturnier zur DVM gespielt, private Verpflichtungen usw. Glücklicherweise sind wir ein großes Bundesland und können solche Ausfälle gut kompensieren. An Brett 3 spielte Sarah Fetahovic von der SG Solingen, zweifache U18w NRW-Jugendmeisterin. Familie Borriss, bestehend aus WFM Claudia Borriss und ihrer Tochter Emma besetzten die Bretter 4, respektive das Ersatzbrett 9 (wobei jede Spielerin maximal einmal aussetzte). Claudia war in ihrer Jugend mehrmals deutsche Meisterin, Emma nahm auch mehrmals an deutschen Jugendmeisterschaften teil. An Brett 5 spielte WFM Heike Vogel, eine „Powerfrau“ aus Kerpen. Sie ist dort Vereinsvorsitzende und gewann Ende der 80er mehrmals die deutsche Jugendeinzelmeisterschaft, u.a. (wenn man der KI glauben darf) als 12-jährige in der Altersklasse der unter 17-jährigen. Brett 6 spielte Marina Limbourg. Sie war u.a. Teil des siegreichen NRW-Teams von 2021 und wusste daher, wie es ging den Titel zu gewinnen. An Brett 7 stellte NRW Alica Hoevelmann vom Schachverein Turm Hohenlimburg auf, an Brett 8 Johanna Kraus aus Leverkusen, die für die Schachfreunde Essen-Werden spielt. Die klimatischen Bedingungen waren ebenfalls anders als gewohnt, die letzten beiden Jahre war es über Fronleichnam in Braunfels hochsommerlich, dieses Jahr wechselhaft und eher frühlingshaft, was für die Spielbedingungen im „Haus des Gastes“ in Braunfels aber eher von Vorteil war.
Das offizielle Mannschaftsfoto des NRW-Teams
Die NRW-Mannschaft war an 2 gesetzt, hinter Sachsen-Anhalt, die dieses Jahr 2 lettische WGMs aufstellten. Darauf folgte Bayern mit durchschnittlich 40 DWZ-Punkten Abstand. Carmens Wertungszahl verfälschte aber ein wenig den Vergleich. Die weiteren Bretter waren immer mehr oder weniger auf Augenhöhe mit den Mannschaften der anderen Landesverbände, die Ausgangssituation versprach daher einen spannenden Turnierverlauf. In der ersten Runde wurde das schon deutlich, gegen Hamburg gab es „nur“ ein knappes 4,5:3,5. Lily verlor ihre Partie gegen Carina Brandt, Sarah, Claudia und Johanna holten aber volle Punkte, welche am Ende zum knappen Mannschaftssieg reichten.
Vor der ersten Runde gegen Hamburg
Premiere an Brett 2 für Lily.
Der Start ins Turnier war also geglückt. Die zweite Runde gegen Schleswig-Holstein hätte nominell eigentlich schwieriger werden sollen, der Verlauf war dann aber eindeutig. Lily gewann mit Weiß mit einer starken Partie erstmals gegen eine internationale Meisterin, WIM Luba Kopylov wurde sauber überspielt. Auch an den anderen Brettern waren meist die NRW-Frauen die Siegerinnen. Die Mannschaft war endgültig im Turnier angekommen, rechtzeitig zur Nachmittagsrunde, die gegen den Favoriten Sachsen-Anhalt gespielt werden sollte. Es war „Crunchtime“, allen war klar, dass der Gewinner des Duells die allerbeste Karten haben würde, am Ende Gold zu holen. An allen Brettern wurde hart gekämpft. Lily spielte gegen WGM Ilze Berzina und gestaltete den Partieverlauf völlig offen. Zweimal hatte sie sogar die Chance in Vorteil zu kommen, entschied sich aber jeweils für die weniger erfolgsversprechende Fortsetzung:
Nach c4 ist Sf4 ein starker Zug. Die Pointe ist, dass nach De3 Sd4 funktioniert. Der Springer auf f4 ist durch die Gabeldrohung auf e2 taktisch gedeckt. So hätte Schwarz zwei starke Springer ins Zentrum installieren können. Lily spielt aber stattdessen Sb6 mit einer ausgeglichenen Stellung.
Lily spielte also Remis, genau wie Alica und Emma an Brett 6 und 8. Claudia konnte ihre Partie gewinnen, aber die weiteren Bretter gingen leider verloren, sodass das Endergebnis recht deutlich ausfiel: 5,5:2,5. Die gedrückte Stimmung hielt allerdings nicht lange an, denn nach dem leckeren Abendessen (exquisite Schweinelendchen) in unserem Stammlokal, dem Solmser Hof, welches wir im Übrigen auch für nicht-schachliche Zwecke wärmstens empfehlen können, wartete am nächsten Tag mit Thüringen schon der nächste Gegner. Gold war so gut wie vergeben, aber Silber und Bronze sollten auf jeden Fall drin sein.
Guten Morgen Braunfels! Blick aus unserem Hotelzimmer im Solmser Hof auf den zentralen Platz der Altstadt.
Gegen Thüringen lief es dann wieder gut: Drei Gewinnpartien durch Carmen, Marina und Emma, Rest Remis. Das Ergebnis war ein nie gefährdeter 5,5:2,5 Sieg. Am Nachmittag tagte das „inoffizielle Treffen für Aktivistinnen des Frauenschachs“. Eine ziemlich verschwörerische Bezeichnung dafür, dass einfach viele Engagierte in dem Bereich an einem Ort weilten und sich zu dem Thema austauschen. Wie dem auch sei, wir besuchten währenddessen mal wieder den Park und die schöne Burg, ließen uns über die Geschichte des Gemäuers und ihrer Bewohner im Laufe der Jahrhunderte informieren oder genossen einfach die Aussicht.
Im Schlosspark von Braunfels von links nach rechts: Carmen Voicu-Jagodzinsky, Claudia Borriss, Johanna Kraus, Sarah Fetahovic, Lily Schirmbeck und Marina Limbourg
Lily mit den Tus und Olivia Lukas.
Lily auf der Kanone 2026.
Und zum Vergleich zwei Jahre zuvor: Gleicher Ort, andere Kanone, andere Perspektive, aber gleiche Lily und sogar gleiches Paar Schuhe (nur andere Größe) ;-).
Beim Abendessen gab es noch etwas zu feiern, Heikes „25.“ Geburtstag. Dafür gabs eine Karte, ein Eis und einen Turm – herzlichen Glückwunsch! In der letzten Runde ging es dann gegen Hessen. Heike beschenkte sich nachträglich gleich mal selbst mit einem schicken Sieg in einer für sie wohl ziemlich typischen Partie: Opfer mit viel Spekulatius, Königsangriff, Matt. Spannend wurde es dann am Ende. NRW führte nach weiteren Siegen von Carmen und Sarah 4:3. Es spielten noch Emma und Lily. Es brauchte nur noch ein Remis zum Mannschaftssieg und der damit verbundenen sicheren Silbermedaille. Beide verteidigten aber unangenehme Stellungen. Lily hatte im Endspiel die Chance auf Remis, fand in Zeitnot aber nicht die korrekte Fortsetzung und auch Emma stellte leider ihre Partie ein. Also hieß es Unentschieden und die allseits ungeliebte Buchholzwertung musste darüber entscheiden, wer welche Medaille erhalten sollte. Dieses Mal hatten wir Glück, landeten vor Bayern auf dem Silberplatz und wurden damit Vize-Mannschaftsmeister. Zudem erspielte sich WFM Claudia Borriss noch mit starken 4 aus 5 einen Brettpreis. Herzlichen Glückwunsch an Sachsen-Anhalt und Bayern zu Gold, respektive Bronze, herzlichen Glückwunsch allen NRW-Spielerinnen, dem „Management“ und allen die mitgefiebert haben!
Silber für NRW!
Schließen möchte ich den Bericht mit einem Zitat des Mannschaftsführers Andreas Jagodzinsky aus seinem Abschlussbericht zum Turniers: „Der zweite Platz in Braunfels ist damit weit mehr als nur ein schönes Einzelergebnis. Er ist auch ein starkes Signal für die Breite, Qualität und Entwicklung des Frauenschachs in Nordrhein-Westfalen. Auf dieser Leistung lässt sich mit großem Optimismus aufbauen.“ Wohl gesprochen, wir schließen uns vollumfänglich an. Ein herzlicher Dank geht auch an die Organisatoren und Helfer von den Schachfreunden Braunfels. Wir haben eure Gastfreundschaft sehr genossen. Vielen Dank für euer jahrelanges Engangement!
Vorbericht des Schachbunds NRW
Abschlussbericht des Schachbunds NRW
Bericht des Hessischen Schachverbands
Bericht aus Sicht des Bayerischen Schachverbands
Bericht des Niedersächsischen Schachverbands
Bericht des Schachverbands Sachsen-Anhalt
Bericht des Schachverbands Württemberg
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