Wir waren wieder unterwegs, das Ziel dieses Mal Trogir, eine hübsche touristisch geprägte kroatische Kleinstadt, unweit von Split und direkt an der Adria gelegen. Es war noch recht ruhig an der Promenade, nur der große Hotelkomplex, in dem die europäische Schul-Europameisterschaft stattfinden sollte (Altersklassen U7-U17), war gefüllt mit Vertretern der europäischen Jugendschachszene. Nicht alle Länder waren vertreten und es war ein deutlich kleineres Event als die Massenveranstaltung der geraden Altersklassen der Jugend-EM, die letztes Jahr in Budva stattfand. Lily trat in der Altersklasse der unter 17-jährigen an, obwohl sie mit ihren 12 Jahren noch zwei Altersklassen tiefer hätte spielen können. Wir beantragten den Wechsel ein paar Tage vor Turnierbeginn, weil in der U17 einerseits stärkere Gegner unter den Jungen zu erwarten waren (Jungen und Mädchen spielten ein gemeinsames Turnier) und wir andererseits die Chancen auf den Titel der Mädchen ähnlich hoch einschätzten wie in der tieferen Altersklasse. Das ging so leidlich auf. Lily spielte nur ein durchschnittliches Turnier, gewann ein paar schöne Partien, spielte gegen die weiblichen Konkurentinnen aber nur Remis und verpasste auch Überraschungen gegen nominell stärkere Spieler. Das erhoffte Gold ging daher verdient an die Türkin Ela Mullakutukcu, die auch letztes Jahr in der G15 schon den Titel gewonnen hatte. Sie spielte ein sehr starkes Turnier, performte 300 Punkte über ihrer Wertungszahl und hatte in den 50/50 Situationen auch das Glück auf ihrer Seite. Glückwünsche gehen an dieser Stelle raus, natürlich auch an den Gesamtsieger des Turniers – CM Uros Brankovic aus Serbien.
Vom DSB fuhr leider nur eine sehr kleine Delegation nach Kroatien. Alle kamen witzigerweise aus NRW, Varvara Sigacheva aus Köln, Konstantin Müller aus Münster und wir eben aus Halle.
Blick in den Spielsaal. Die Altersklasse U7 bestand überwiegend aus Schülern einer isländischen Schule. Das sah zu Rundenbeginn immer total süß aus, wie die ganzen kleinen *dottirs und *sons sich an den Brettern lümmelten. Die Partien waren aber meist recht schnell vorbei, gewonnen hat dort die Grechin Sophia Kaliskami. Ihr Pokal war fast größer als sie selbst ;-).
Lily am Brett in ihrer Gewinnpartie gegen Renato Hranilovic. ©ECU
Lilys Auftritt bei der Siegerehrung.
Lily mit ihrem Pokal, ähnlicher Style wie bei der EM 2023 in Mamaia (©ECU)
und mit ihrem „Sekundanten“. Oben 2026, unten 2023 bei der EM G10 in Mamaia, kaum verändert ;-).
Die deutschen Pokalgewinnerinnen (©ECU). Varvara holte den dritten Platz in der Altersklasse G11. Konstantin verpasste leider das Treppchen.
„Völkerverständigung“ nach der Siegerehrung (©ECU).
Trogir war auch touristisch sehenswert, ich kam etwas herum, sah am Wochende die Altstadt von Trogir, die sich in Laufreichweite des Hotels befand, die beeindruckende Festung Klis, die mich als „Geschichts-Nerd“ natürlich besonders interessierte (Gegründet in der Antike von den Römern, aufgegeben nach wechselhafter Geschichte erst 1918 nach dem Zerfall Österreich-Ungarns) und das ebenfalls sehr hübsche Hafenstädtchen Omis. Lily war an ihrem freien Tag, an dem ich leider arbeiten musste, zudem noch mit den Müllers in Split. Es war noch Nebensaison und das Hotel beherbergte neben den Schachspielern nur kleine Touristengruppen aus Frankreich. Es gab nicht ständig und überall Trubel und Schlangen am Buffet. Die Organisation des kroatischen Schachverbands war wirklich vorbildlich, ich habe absolut nichts zu meckern und ich kann durchaus auch pingelig sein. Alles lief wie am Schnürchen. Wenn in Zukunft wieder in Kroatien etwas ausgerichtet wird, wäre diese Tatsache alleine für uns nun eher ein Grund hinzufahren als fernzubleiben.
Panoramablick auf Split von der Festung Klis aus.
Das unvermeidliche Selfie am Strand von Omis. Im Hintergrund auf dem Berg ist eine Ruine zu erahnen, zu der man über einen Kletterweg hochsteigen kann. Wir haben es versucht, sind aber auf halbem Wege aus Zeitgründen umgekehrt.
Unser „kleines Mädchen“ am Strand vor dem Hotel.
Bleibt Danke zu sagen, den Gastgebern und Organisatoren, den deutschen Delegationsmitgliedern, mit denen wir die gemeinsame Zeit an den Abenden nach der Partien sehr genossen haben, und natürlich Lilys Trainern WGM Carmen Voicu-Jagodzinsky und FM Tobias Vöge, die, wenn meine schachlichen Fähigkeiten phasenweise ihre Grenzen erreichten, aus Deutschland und Indonesien unterstützt haben.
Link zu den Übertragungen auf Lichess











